Riester-Rente: Top oder Flop? 

 

Guten Tag, 

seit 2002 kommen Riester-Sparer in den Genuss von staatlicher Förderung für ihre private Altersvorsorge. Neben den staatlichen Zulagen von jährlich bis zu € 154 pro Sparer und € 185 pro Kind (€ 300 wenn das Kind ab 2008 geboren wurde) gibt es auch noch Steuererleichterungen. 

Die Idee des Gesetzgebers war, die Senkung des Niveaus der gesetzlichen Rente durch eine staatlich geförderte kapitalgedeckte Zusatzvorsorge zu kompensieren. Jeder in einen Riester-Vertrag gesteckte Euro sollte mehr Rendite bringen als ein Euro gesetzlicher Rentenbeitrag. In beiden Fällen hat der Gesetzgeber sein Ziel jedoch nicht erreicht: Nur knapp 40% der Anspruchsberechtigten haben überhaupt einen Riester-Vertrag. Und: Von Anfang an haben sich die Riester-Produkte ständig verschlechtert. Dies sicherlich auch wegen der Absenkung der gesetzlich vorgegebenen Garantiezinsen, im Wesentlichen jedoch, weil die Versicherer ihre Riester-Produkte immer mehr zu ihren Gunsten kalkulieren. Dass darüber hinaus die Transparenz zunehmend leidet, ist die logische Folge. 

Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beanstandet zum einen, dass die Versicherer mit zu hohen Lebenserwartungen kalkulieren. Das bedeutet: Wer heute einen Riester-Vertrag abschließt und eine Rendite von nur 2,5% (auf Eigenbeiträge und staatliche Förderung zusammen) haben möchte, muss 110 Jahre alt werden. Zum anderen zielt die Schelte des DIW auf die Nebenkosten der Riester-Verträge. Abschlusskosten, Provisionen, Verwaltungskosten und andere Posten fressen in den ersten Jahren die staatlichen Zuschüsse vollständig auf. Erst nach ungefähr zehn Jahren ist insoweit der Riester-Sparer am Normal-Sparer vorbeigezogen. 

Die Kritik des DIW hat – welche Überraschung – den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf den Plan gerufen: ,,Für die Allermeisten rechnet sich die Riester-Rente so gut wie keine andere Vorsorge‘‘, sagt ein Mitglied der GDV-Hauptgeschäftsführung. Begründung? Keine. 

Viele Verbraucherschützer verurteilen Riester-Verträge nicht grundsätzlich. Riester-Banksparplänen oder Riester-Fondsparplänen geben sie jedoch den Vorzug, weil diese rentabler sowie flexibler als die bisher meist verkauften Riester-Rentenversicherungen sind. Darüber hinaus kritisieren sie bei den Riester-Rentenversicherungen, dass durch die 2008 erfolgte Gesetzesänderung diese Produkte an Attraktivität deutlich verloren haben. Die Versicherer müssen nämlich nur noch 75% ihrer sogenannten Risikoüberschüsse an den Kunden weitergeben, den Rest dürfen sie einbehalten. Böse Zungen behaupten, dass gerade deswegen viele Versicherer mit unrealistisch hohen Lebenserwartungen kalkulieren: Später können sie dann nämlich einen Teil der Überschüsse einbehalten‘‘, so auch ein Verfasser der DIW-Studie. 

Und wir als Steuerberater setzen noch einen drauf: Der Staat will von seinen Riester-Zuschüssen etwas zurück haben. Das hat er so geregelt, dass die Riester-Rente zu versteuern ist. Auch wenn im Ruhestand der Spitzensteuersatz abfällt, ein Teil der Riester-Rente landet wieder beim Staat. 

Was tun? Eine pauschal-Verurteilung der Riester-Verträge verbietet sich. Ob private Verträge ohne staatliche Förderung unter dem Strich attraktiver sind, ist – idealerweise vorher – zu berechnen. Das geht nur individuell. 

Genauso verbietet sich – von wenigen berechtigten Ausnahmen abgesehen – die Kündigung laufender Verträge. 

Im Rahmen unserer Vermögensaufbauplanung VAP und unserer Ruhestandsplanung RSP beleuchten wir auch dieses Thema für Sie persönlich. 


Eine gute Zeit wünscht Ihnen
 

Ihr Hartmann + Hübner – Team

 

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