Steuerfahndung 

 

Guten Tag,

„überschätzte Helden“ betitelt Donata Riedel ihren Handelsblatt-Kommentar vom 22.08.08 über die Steuerfahnder. Anlass ist der Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, nach dem die Steuerfahndung im Jahr 2007 insgesamt 1,6 Mrd. Euro hinterzogene Steuern aufgedeckt hat.

Dies ist die Summe der Beträge, die nach Abschluss der Fahndungs-Maßnahmen per Steuerbescheid festgesetzt wurden. Bei zur Zeit 2.400 Steuerfahndern erscheint dies auf den ersten Blick für den Staat sehr lukrativ. Ein völlig anderes Bild ergibt sich, wenn wir der Frage nachgehen, wie viel von diesen festgesetzten 1,6 Mrd. Euro auch tatsächlich den Weg in die Staatskasse finden.

Jeder von der Steuerfahndung heimgesuchte Bürger bedient sich der professionellen Hilfe eines Steuerberaters. Dieser wird im Wege des Einspruchs – und ggf. des finanzgerichtlichen Klage-Verfahrens – die von der Fahndung ermittelten Beträge erheblich nach unten korrigieren lassen. Selbst die danach verbleibenden Beträge sind dem Fiskus nicht sicher: Manch ein betroffenes Unternehmen (meist in der Rechtsform der GmbH) geht in die Insolvenz, und der Fiskus damit leer aus. Die vor wenigen Jahren erfolgte Neuregelung des Insolvenz-Rechts führte bisher zu einer Zunahme auch von Privat-Insolvenzen.
„Viel sehen wir davon nicht“, sagt ein Länder-Finanzbeamter.

Ein Schelm, der Arges dabei denkt, dass die Finanzverwaltung zwar die durch die Fahndung ermittelten Mehrbeträge kennt und veröffentlicht, nicht jedoch die daraus resultierenden tatsächlichen Einnahmen.

In den letzten fünf Jahren wurde die Anzahl der Steuerfahnder von 2.000 um 20% auf 2.400 erhöht. Trotz dieser Mehr-Stellen und trotz erhöhten Aufwandes entdeckten die Fahnder jedoch nicht mehr hinterzogene Steuern als früher, nämlich die bereits genannten 1,6 Mrd. Euro. „Mehr Steuerfahnder bringen eben nicht automatisch mehr Geld. Das ist eine Milchmädchenrechnung“, so die Sprecherin unseres NRW-Finanzministers.

Die Praxis zeigt, dass in vielen (den meisten?) Fällen der Steuerhinterzieher selbst für seine Entdeckung sorgt, wenn auch nur indirekt: Frustrierte Mitarbeiter, betrogene Ehefrauen und verlassene Geliebte, das ist der Stoff, aus dem Fahnder-Träume gemacht sind. Die Steuerfahnder sind also eher Hinweis-Auswerter. Oder, wie Donata Riedel sagt, „überschätzte Helden“. 


Weniger Steuern ...

... und eine gute Zeit!

Ihr Hartmann + Hübner – Team 

 

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