Reiseaufwendungen 

 

Guten Tag,

In der Vergangenheit konnten nur Reiseaufwendungen steuerlich geltend gemacht werden, wenn es sich nicht um zum Teil betrieblich/beruflich und zum Teil privat veranlasste Kosten handelte. Nach alter Rechtsprechung des BFH wurden also – nach Gesamtwürdigung aller Umstände (s. u.) – die Reiseaufwendungen entweder insgesamt als abzugsfähig oder nicht abzugsfähig betrachtet.

Anlässlich der Reiseaufwendungen des Arbeitgebers für Arbeitnehmer hat der BFH am 18.08.2005 entschieden, dass eine Aufteilung der Aufwendungen nach betrieblicher und touristischer Veranlassung vorzunehmen sei. Der betriebliche Teil zählt selbstverständlich zu den Betriebsausgaben, der den Arbeitnehmern zugewandte Teil ist ein Sachbezug, der im Rahmen der Lohnabrechnung von den Arbeitnehmern zu versteuern ist.

Für Ihre eigenen Reiseaufwendungen, die Sie aus betrieblichen oder beruflichen Gründen vornehmen, gilt jedoch nach wie vor das Aufteilungs- bzw. Abzugsverbot des § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG. Gegen diese „Sekt-oder-Selters-Auffassung“ hat jedoch der 6. Senat des BFH im Revisionsverfahren (VI R 94/01) mit Beschluss vom 20.07.2006 den großen Senat des BFH angerufen. Der 6. Senat plädiert dafür, die Aufteilung der Reisekosten nach den Verhältnissen der betrieblichen/beruflichen und privaten Veranlassung – ähnlich wie bei Reisekosten von Arbeitnehmern – nach Teilanteilen vorzunehmen.

Bis zu dieser Entscheidung sollten Sie sich aus Vorsichtsgründen noch an folgenden Voraussetzungen orientieren, um den Steuerabzug nicht zu gefährden.

  1. Darlegung eines konkreten aktuellen Anlasses der beruflichen/betrieblichen Nutzung.
  2. Das Reiseprogramm ist auf diese Bedürfnisse zugeschnitten.
  3. Es muss sich um einen homogenen Personenkreis handeln.
  4. Das Reiseprogramm muss straff organisiert sein. Die Teilnahme des Steuerpflichtigen an diesem Programm ist erforderlich. Nicht in jedem Fall sind jedoch Anwesenheitstestate erforderlich.
  5. Die Reise muss von einer fachbezogenen Organisation unter entsprechender Leitung durchgeführt werden.
  6. Die Reise wird vom Arbeitgeber bezuschusst.
  7. Der Arbeitgeber gewährt Sonderurlaub oder eine dienstliche Befreiung für diese Reise.


Nicht alle vorstehenden Kriterien müssen gleichermaßen erfüllt werden. Je mehr Pluspunkte Sie jedoch sammeln, desto leichter dürfte die Durchsetzung gegenüber der Finanzverwaltung sein. 


Weniger Steuern ...

... und eine gute Zeit!

Ihr Hartmann + Hübner – Team 

 

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