Thesaurierung von Gewinnen bei Personenunternehmen 

 

Guten Tag,

bis 2007 wurden Gewinne bei Kapitalgesellschaften, die nicht ausgeschüttet wurden, mit ca. 38,7% versteuert. Durch die Auswirkung des Unternehmensteuerreformgesetzes 2008 wird die Belastung auf 29,8% reduziert.

Im Gegensatz dazu wurden Personenunternehmen bis 2007 bei einer durchschnittlichen Einkommensteuerbelastung von 35% insgesamt mit 45,7% belastet (bei einem Spitzensteuersatz von 42% sogar mit 53,1%). Durch die Absenkung der Körperschaftsteuer ab 2008 hätte sich der Vorteil von Kapitalgesellschaften noch erhöht. Um diesen Nachteil der Personenunternehmen auszugleichen, wurde § 34a EStG eingeführt.

Dort wird geregelt, dass thesaurierte Gewinne in Personenunternehmen nur mit 28,25% zzgl. 5,5% Solidaritätszuschlag besteuert werden. Die Gesamtbelastung beträgt somit 29,8% und entspricht damit der Belastung einer Kapitalgesellschaft.

Diese Regelung können Sie jedoch nur dann in Anspruch nehmen, wenn Sie für Ihre Gewinnermittlung eine Bilanz erstellen. Nicht begünstigt sind all diejenigen, die ihren Gewinn durch Einnahme-Überschuss-Rechnung ermitteln.

Auf Antrag wird der begünstige Gewinn ermittelt und vom Finanzamt festgestellt. Sobald jedoch diese Gewinne entnommen werden, kommt es zu einer Nachversteuerung von 25% zzgl. 5,5% Solidaritätszuschlag. 


Beispiel „Begünstigung“




Begünstigter Gewinn =

100,00
GewSt (Hebesatz 400%, Steuermesszahl 3,5%, nicht abzugsfähige
Betriebsausgabe)


14,00
28,5% begünstigter Einkommensteuersatz nach § 34a EStG
28,25

Abzüglich GewSt-Anrechnung (3,8-fache des GewSt-Meßbetrages,
100 x 3,5% = 3,5% x 3,8

13,30



-------
ESt nach Anrechnung

14,95
5,5% Soli

0,82


-------
Thesaurierter Gewinn nach Steuern

70,23


-------
Steuerbelastung (GewSt + ESt +Soli)


29,77

Hieraus ergibt sich folgender Betrag für die spätere Nachversteuerung mit 25%.


       
Beispiel „Nachversteuerung“



Begünstigter Gewinn
100,00
./. 28,25% begünstigter Steuersatz
28,25
./. 5,5% Soli
1,55

-------
Nachversteuerungspflichtiger Betrag
70,20
Bei Nachversteuerung

25% von € 70,20
17,55
5,5% Soli
0,97

-------

18,52


Fazit 

Gegenüber der Versteuerung in 2007 mit 45,78% ergibt sich eine Belastung von 29,77% bei thesaurierten Gewinnen. Im Fall der Nachversteuerung beträgt die Gesamtbelastung (29,77 + 18,52) 48,28%.

Um diesen Nachteil gegenüber der laufenden Besteuerung zu kompensieren, sollte die nachgelagerte Besteuerung so spät wie möglich einsetzen, um neben dem Liquiditätsvorteil auch Renditevorteile aus der Abzinsung des später fälligen Betrages zu erzielen.

So kann bei einer Kaufzeit von 15 Jahren und einem Abzinsungssatz von 5% von einer Steuerbelastung von 36,7% ausgegangen werden.

Die Anwendung des § 34a EStG empfiehlt sich in den Fällen, in denen die Besteuerung nahe des Spitzensteuersatzes liegt und Gewinne über einen längeren Zeitraum nicht entnommen werden müssen.

Bitte bedenken Sie, dass die Gewinne eines Veranlagungsjahres nur dann „geschützt“ sind, wenn in den Folgejahren der Gewinn höher ist als die Entnahmen nach Abzug der Einlagen.

Um eine frühzeitige Nachversteuerung zu vermeiden, sollten Sie daher überlegen, ob Sie evtl. Altrücklagen vor Inanspruchnahme der Steuerbegünstigung nach § 34a EStG aus dem Unternehmen entnehmen können.

Einlagen sollten auf das Jahr, ab dem die Begünstigung in Anspruch genommen wird, verlagert werden.

Bitte beachten Sie auch, dass in der Regel nicht der gesamte Gewinn eines Jahres für die Begünstigung zur Verfügung steht, da er durch notwendige Entnahmen
(z. B. für die Einkommensteuer oder Lebenshaltung) und nicht abzugsfähige Betriebsausgaben (u. a. GewSt) nur noch geschmälert zur Verfügung stehen wird.

Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie beabsichtigen, auf Dauer Gewinne im Unternehmen stehen lassen zu wollen. 


Weniger Steuern ...

... und eine gute Zeit!

Ihr Hartmann + Hübner – Team
 

 

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