Kalte Progression 

 

Guten Tag, 

im Steuerrecht geistern etliche Wortungetüme herum. So auch die kalte Progression, die die Gehaltserhöhung zunichte machen soll. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Etwa die Steuererhebung in der kalten Jahreszeit? Wenn es denn nun die kalte Progression gibt, kennen wir auch eine warme? 

Um zu verstehen, was es damit auf sich hat, stellen wir Ihnen kurz den Tarifaufbau zur Einkommensteuer vor. 

Ledige zahlen bei einem zu versteuerndem Einkommen bis € 8.004 keine Einkommensteuer (Grundfreibetrag). Ab dann erhöht sich der Grenzsteuersatz von 14% auf 42% bis das zu versteuernde Einkommen € 52.882 erreicht hat (Progressionszone). 

Ab einem zu versteuerndem Einkommen von € 52.771 und mehr werden dann 42% Steuern erhoben, ab € 250.731 45% (sogenannte Reichensteuer). 

Bei Verheirateten, die nach der Splittingtabelle versteuert werden, verdoppeln sich diese Beträge. 

Schon jetzt wird dem aufmerksamen Leser aufgefallen sein, dass der Steuersatz nie 100% oder mehr beträgt, so dass sich die Mär von der kalten Progression, die die Gehaltserhöhung zunichte macht, als unsinnig erweist. 

An 3 Beispielen wird deutlich, welche steuerlichen Auswirkungen eine Gehaltserhöhung von € 100 in verschiedenen Gehaltsstufen zur Folge hat:

z. v. E.
ESt
Durchschnitts- steuersatz
Spitzen- steuersatz
8.023
0
0
0
8.123
18
0,22%
18%
30.030
5.643
18,79%

30.130
5.677
18,84%
34%

34


70.000
21.234
30,33%

70.100
21.280
30,36%
46%

46



Es wird deutlich, dass der Steuerabzug nie die Höhe der Gehaltserhöhung selber erreicht. Aber, und das liegt im Wesen der Steuerprogression, im Bereich zwischen € 8.004 und € 52.882 werden die letzten € 100 relativ gesehen höher versteuert als die zuvor verdienten. So kann es sein, dass aus einer Gehaltssteigerung von z. B. 2%, relativ gesehen, die Steuerlast um 2,2% steigt. 

Diese Erkenntnis wird uns sicherlich nicht die Freudentränen in die Augen treiben, zumal wenn man bedenkt, dass bei einem Bruttogehalt bis
€ 44.550 mit weiteren Abzügen von fast 21% für die Sozialversicherung zu rechnen ist, so dass bei mittleren Einkommen von einer Gehaltserhöhung meist nur 45% übrig bleiben. 

Wir rechnen nicht damit, dass es zukünftig nur noch Einheitstarife nach dem Vorschlag von Prof. Kirchhof geben werden, sondern das lediglich die Steuerprogression abgeflacht wird. 

Ein Schelm, wer dabei Böses denkt, dass dieses "Milliardengeschenk" im Wahljahr vollzogen wird. 


Eine gute Zeit wünscht Ihnen 

Ihr Hartmann + Hübner – Team

 

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