Abgeltungsteuer – die Mär von der Steuervereinfachung 

 

Guten Tag, 

Sie erinnern sich? Zum 01.01.2009 hat der Gesetzgeber vollmundig die Vereinfachung der Besteuerung von Einkünften aus Kapitalvermögen eingeführt. Das bis dahin gültige Halbeinkünfteverfahren wurde abgeschafft. Gewinne aus Veräußerungsgeschäften bei Kapitalanlagen, die bis dahin nach einem Jahr steuerfrei waren, wurden zusammen mit den laufenden Erträgen zusammen im § 20 EStG neu geregelt. Kernpunkt: Ein pauschaler Steuersatz von 25%, mit dem die Besteuerung dieser Einkünfte abgegolten sein sollte. Weit gefehlt! 

Die Erfahrungen aus den Veranlagungen für 2009 lehren uns, dass wir in jedem Einzelfall eine Vielzahl von Einzeltatbeständen überprüfen müssen. So z. B. ob

  • Ihr persönlicher Spitzensteuersatz nicht unter 25% liegt,
  • Ihre Freistellungsaufträge optimal eingesetzt wurden,
  • Verlustverrechnungen zwischen verschiedenen Banken vorzunehmen sind,
  • Verlustvorträge aus Vorjahr zu beachten sind,
  • die Kapitaleinkünfte bisher noch nicht mit 25% besteuert wurden, da es sich um
  • ein Privatdarlehen handelt oder
  • um ausländische Kapitalerträge in ausländischen Depots.

Ohnehin gilt der Steuersatz von 25% nicht, wenn

  • es sich um Zinseinkünfte aus Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht oder Kapitallebensversicherungen oder um
  • Zinseinkünfte von Darlehen der Gesellschafter an ihre Kapitalgesellschaft handelt, wenn sie mindestens zu 10% an ihr beteiligt sind.

Doch damit noch nicht genug. 

Aufgrund dieser unterschiedlichen Gestaltungen ist in jedem Einzelfall zu unterscheiden, ob

  • der Steuersatz von 25% oder die tarifliche Besteuerung gilt,
  • die Einkünfte in die Veranlagung aufzunehmen sind,
  • hierfür nichts zu ist, ein Antrag erfolgen kann oder eine Verpflichtung besteht,
  • das generelle Abzugsverbot für Werbungskosten im Einzelfall aufgehoben wird,
  • mit welchen Verlusttöpfen die Verrechnung von Gewinnen erfolgen darf,
  • das Teileinkünfteverfahren Gültigkeit hat.

Wir dürfen gespannt sein, welche segensreichen ,,Steuervereinfachungen’’ in Kürze auf uns niedergehen werden. Wir lassen uns natürlich nicht entmutigen und behalten den Kompass im Steuerdschungel in der Hand. 

Die Steuererklärung auf einem Bierdeckel? Ja klar, die Erde ist ja auch eine Scheibe! 


Eine gute Zeit wünscht Ihnen 

Ihr Hartmann + Hübner – Team 

 

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