Änderung der Rechtsprechung zum Arbeitszimmer – ein vorweihnachtliches Präsent? 


Guten Tag, 

bereits im Jahr 2010 hat das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber die Leviten gelesen. Die Streichung der Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer wurde als verfassungswidrig eingestuft. Zähneknirschend musste der Gesetzgeber die bisherige Regelung wieder aufleben lassen. 

Noch einen Schritt weiter geht das Finanzgericht Köln. Es verweist auf ein Urteil des Großen Senats des Bundesfinanzhofs aus dem Jahr 2009. Dort hatten die Richter – unter Abweichung von der bisherigen Rechtsprechung – entschieden, dass Reisekosten, die sowohl berufliche als auch private Anteile enthalten, sachgerecht aufzuteilen seien. Bis zu diesem Zeitpunkt galt ,,Sekt oder Selters‘‘. Wenn die private Veranlassung nicht von weit untergeordneter Bedeutung war, galt unter Hinweis auf § 12 Nr. 1 S. 2 EStG ein allgemeines Aufteilungs- und Abzugsverbot. 

Nachdem der Große Senat insoweit der bisherigen Auslegung des § 12 Nr. 1 S. 2 EStG ein Ende gesetzt hat, fühlt sich das Finanzgericht Köln ermutigt, die gleichen Grundsätze auf das Arbeitszimmer anzuwenden (Urteil aus 2011).Danach dürfen gemischt genutzte Arbeitszimmer sachgerecht in einen abziehbaren und einen nichtabziehbaren Anteil aufgeteilt werden. 

Aufgrund der Abweichung von der bisherigen Rechtsprechung ist allerdings die Revision beim Bundesfinanzhof anhängig. Es bleibt abzuwarten, ob die Münchener Richter ein Einsehen haben werden. 

Sie sollten sich jedoch hierdurch ermutigt fühlen, ab sofort – unter Hinweis auf das Finanzgericht Köln – Kosten für ein Arbeitszimmer auch dann in der Steuererklärung geltend zu machen, wenn es nicht nur beruflichen Zwecken dient (z. B. Wohn-/Arbeitszimmer). 


Eine gute Zeit wünscht Ihnen 

Ihr Hartmann + Hübner – Team

 

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